Samstag, 2. Juli 2016

In Verzug


Gegenwind- er blies unablässig und die falsche Seite vom Kanal- musste alles zurück fahren, ca. 8km mehr Weg.
Und kein Internet, wahrscheinlich werden die nächsten Posts alle an einem Tag abgesendet wenn ich irgendwo funktionierendes WLAN habe.
Seit 2 Tagen fahre ich den Rhein-Rhonekanal entlang, was die Orientierung in der Regel (verpennt frau nicht den Seitenwechsel) sehr vereinfacht und das Streckenprofil ist nicht anspruchsvoll. Gestern von Straßburg gestartet, verlief die Orientierung unproblematisch, bei einer kleinen Autowerkstatt Luft aufgepumpt und dann rollte es. Die Luft war klar und weich und von Zeit zu Zeit ging es an den kleinen Schleusen mit den zum Teil wirklich niedlichen Schleusenhäuschen vorbei. An einem dieser Häuschen, setzte ich mich auf eine Treppe, die hinab führte in das kühle Nass und badete meine Füße. Anschließend streckte ich mich unter einem Essigbaum ins Gras und hilt ein Nickerchen. Später kam ich an ein ebensolches Häuschen nur absolut niedlich mit einem wunderschönen Garten und kleinem Gartencafe. Eigentlich wollte ich nur etwas trinken aber die Torten lächelten verführerisch. Ich ass eine Himbeer-Sahne-Torte und da war tatsächlich noch ein Windbeutel drin versteckt. Da sass auch wieder das Heteropäarchen, das ich schon vorher beim Nickerchen-Häuschen gesehen hatte. Sie hatte ein E-Bike und anscheinend den Akku nicht aufgeladen statt dessen lud sie sich mit Kippen. Also rannten sie immer zum Wirt und gaben die längliche Kartusche zum Einstöpseln in die Steckdose ab.
In einer Stadt, die von oben aussieht wie eine Weihnachtsdekoration, was aber ein ausgeklügelter, sternförmiger Verteidigungswall ist, in Neuf Breisach, entschied ich mich letztendlich doch ein Quartier zu suchen. Im Nachhinein war das die richtige Entscheidung, benötigte ich heute 50 km bis Mulhouse und das wäre gestern eindeutig zu viel gewesen. In dem Hotel traf ich ein Schweizer Ehepaar, wo der Mann erzählte, dass er durch Radfahren und Ernährungsumstellung in den letzten zwei Jahren 50kg abgenommen hätte. Sie fahren ca. 3000km pro Jahr.
Er war total beseelt von seinen Erkenntnissen, was dann auf Dauer doch zu wenig Gesprächsstoff darstellte.
Im Elsass ist die Verständigung noch ganz passabel, sprechen doch einige Menschen Deutsch.
In Landschaftsbeschreibungen bin ich jetzt nicht so der Knaller. Das hat mich immer schon bei Thomas Mann abgenervt, diese seitenlangen Landschafts- oder Umgebungsbeschreibungen, bis mal was Klitzekleines passiert. Also ein Kanal geht immer geradeaus und der Radweg ist da wo früher Gäule die Schiffe ziehen mußten. Treideln nennt frau das glaube ich und rechts und links ist Landschaft.
Bei so einer Kanalfahrt sind auch andere Radfahrer und Radfahrerinnen unterwegs und ich habe eine Statistik des Grüßens aufgemacht. Ich begrüße die Entgegen Kommenden mit einem mehr oder weniger herzlichen"Bonjour" und merke, dass die Männer öfter grüßen als die Frauen zumindest wenn sie paarweise fahren.
Rennradfahrer Grüßen am wenigsten. Sie sind mit Vorwärtskommen beschäftigt. Und manche strengt das auch an.
Tourenfahrer mit Gepäck grüßen eigentlich immer, Mountainbiker liegen im Mittelfeld. Auf dem Land wird mehr gegrüßt, da grüßen auch Kinder, oft eher als ich.
Gestern von meinem Weg von Neuf Breisach kam ich durch einen Wald. Da gab es eine Straßenkreuzung ca.5 km vor Mulhouse, die heißt "Grünhütte", da müssen sich zum Ende des 2. Weltkriegs fürchterliche Kämpfe zwischen Wehrmacht und Elsässern abgespielt haben. Das war wirklich gruselig. Überhaupt sind im Elsass viele Denkmäler und Andenken an die Greueltaten des 3. Reichs zu sehen.
In Saint Bernhard habe ich auf Anraten eines sehr freundlichen Rennradfahrers! ein Zimmer auf einem Bauernhof gefunden. Die Frau des Hauses war sehr freundlich und sprach gut deutsch.
Das Zimmer, bzw. Die Ferienwohnung war so wie ich es von Bauern kenne. Es war ein Schapp unterm Dach, das sonst nicht zu gebrauchen ist und mit irgendwo zusammen gesuchten Möbeln ausgestattet ist. Es war sauber und ok aber ich mußte schmunzeln. Ich konnte endlich meine schon 1000km gereisten Spaghetti kochen. Dazu bekam ich noch Salat und eine Flasche Bier von der Bäuerin und konnte mir das Drama Deutschland-Italien im Fernsehen anschauen.

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