Dienstag, 19. Juli 2016

Hothothot!

Es bimmelt- am Berg. Kühe sind ständig in Bewegung in Saint Savin in den Pyrenäen. Der Mond steigt in blauklarer Nacht hinter den Gipfeln empor. Groß, leuchtend und rund bescheint er die Kapelle Pietat und das Tal des Gave de Pau ou de Lavedan. Vom Tourmalet kommend stieg bei der Abfahrt vom Pass ein wenig Kühle vom Fluss empor. Das Gehirn bekam die Aufmerksamkeit nicht mehr so recht hin und die Wahrnehmung wurde verschwommen. Es war nun der zweite Tag bei Temperaturen oberhalb der 30Grad Marke und wir beschließen umzukehren. In Faugeres erwartet uns die blaue Kühle des Pools und die Vorstellung noch einige Tage unter dem Motorradhelm zu verbringen, lässt Panik aufkommen. Für heute sind 41 Grad vorhergesagt. Da geht doch nur noch still sitzen und viel Wasser trinken?
Daher entschieden wir den heutigen Tag im Hotel zu verbringen und morgen schnellst möglich wieder ins Häuschen nach Faugeres zurück zu fahren.
Den Termin mit A. und I. in Bilbao haben wir schweren Herzens gestrichen. Die Vorstellung 800 km wieder zurück fahren zu müssen, schreckt ab.
Dabei ist es in den Pyrenäen wunderschön. Hohe Berge mit liebevollen Bergdörfern, Bäche, die von den Bergen teils strömen teils etwas dünn hinunter schlendern und serpentinenreiche Landstrassen erfreuen Motorrad- und Rennradfahrer-innen gleichermaßen. Kühe, die  in einer stoischen Selbstverständlichkeit die Passstraße besetzen.
Schon im Herault war die aufkommende Hitze spürbar. Die Hoffnung, dass die Hitze in den Bergen nachlassen würde, trieb uns weiter. Die gut ausgebauten Straßen machten ein Vorwärtskommen leicht. Wir schafften am ersten Tag mehr als unser Etappenziel. Nach der erfolgreichen ersten Passüberquerung, der Flucht vor Bremsen auf dem Parkplatz unterhalb der Ruine von "Montsegur", bezogen wir in Massat in einem liebevoll restaurierten Zimmer mit Holzboden und Natursteinwand Quartier. Dazu gehörte das Musikrestaurant, in dem eine Horde Engländer, die den Kern der örtlichen Hippiebewegung zu bilden schienen, lautstark und angetrunken auf sich aufmerksam machten. Ein mit Schottenrock bekleideter graubebarteter Mittfuffziger mit einem ausgeprägten Sendungsbewußtsein erklärte uns, hocherfreut neue "frische" Gesprächspartnerinnen gefunden zu haben, die ursprüngliche Bedeutung des Wortes "understand".
Zusammen mit einem mit Rastalocken und Nasenring versehenem Franzose zogen sie gerade eine Marihuanazigarette durch. In dem Ort, der im 18.Jahrhundert 9000 Einwohnern und nun noch 690  beherbergte, schien eine kleine Alternativbewegung ihre Heimat zu haben. Zumindest legten die hohe Anzahl von Rasta-Zopfträgern, ein Bioladen und  spirituell angehauchte Buchläden diesen Rückschluss nahe.
Über dem Eingangsportal der noch auf die größere Bevölkerungszahl ausgerichteten Dorfkirche wachte eine Marienskulptur, unter deren rechter Achselhöhle sich ein Bienenschwarm angesiedelt hatte.
Überhaupt war die Kirche ein Zufluchtsort kleinerer Tiere. Die bunten Kirchenfenster waren in der oberen Hälfte mit dicken Spinnweben verschleiert.
Am nächsten Morgen tranken die ersten Hippies in der Kneipe Whisky-Cola zum Frühstück und spielten Dart.
Dass der Ort ein sicherer Ort war, ließ sich daran erkennen, dass ich mein Navigationsgerät, das ich als aus dem Hotelzimmer geklaut vermutete, mit Morgentau überzogen auf meiner Motorradsitzbank liegend, wiederfand.

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