Mittwoch, 6. Juli 2016

Heiß und flach

Es windet und ist kühl und flach. Gestern bin ich vom Jura nach Burgund gekommen und die Landschaft ähnelte sich meiner Stimmung. Ich hatte das, was die Schweden, zumindest manche am 21.6. bekommen. Depressionen, darüber, dass das Schöne, das Licht, wieder vergeht.
Nun neigt sich der erste Teil meiner Reise dem Ende und ich fühle mich noch gar nicht bereit dazu. Ja, die Knochen und Muskeln schmerzen, ich möchte mal frische und andere Sachen anziehen. Ich hatte ja gehofft nach einiger Zeit in meine im letzten Jahr gekaufte, coole, grün karierte, auf meine Radschuhe abgestimmte Vaude- Fahrradshorts in Größe... herein zu passen. Eigentlich wollte ich schon nach einer Woche wieder hineinpassen. Was soll ich sagen ich bin und bleibe zu dick und fahre die Hose nunmehr seit fast vier Wochen spazieren. Stattdessen wasche ich nun täglich meine treu ergebene Radfahrshorts mit Trägern, die auch nicht quetscht, mit Wasser durch und muss sie teilweise am anderen Morgen noch feucht anziehen. Da ich aber sowieso schwitze, merke ich das fast nicht.
Also überkam mich gestern der Endzeit-Blues und ich schleppte mich von Kilometer zu Kilometer.
In Dole, einer im Gegensatz zu Besancon wirklich absolut bezaubernden Stadt, vertrödelte ich die immer heißer werdende Mittagszeit. Die Stadt zeigt schon vom Kanal aus ihr bezauberndes Gesicht. Blumen geschmückte Brücken weisen auf das Steinhausensemble am Berg. Es gibt kleine Gässchen, da sind ins Pflaster dreieckige Messingplatten als Wegweiser eingelassen.Auf ihnen ist die Rückansicht einer Maus eingraviert. Ich frug mich gleich, ob in dieser Stadt auch der Rattenfänger unterwegs war?
Es war sehr heiß und da ich ja gelernt habe, dass es in der Mittagspause am besten ist, in irgendeinem Cafe abzuhängen, setzte ich mich auf die Terrasse eines kleinen CrepeCafes und ass Salat und Crepe und trank Cidre Brut.
Als das getan war, schleppte ich mich lustlos weiter auf meiner Route. Irgendwann wechselte ich vom Jura ins Burgund und der Radweg wurde schlechter und es wurde flach, so flach und die Sonne brannte. Ich fuhr schließlich am Ufer der Saone entlang, die sich breit und bräsig durch die Ebene wand. Es war so heiß. Dann wollten sie uns noch auf einen Umweg schicken aber findige Radfahrer hatten per Hand auf die Schilder gemalt, dass frau auf jeden Fall geradeaus fahren solle, was ich zum Glück auch tat. Umwege mit wehem Po in langweiliger Landschaft unter brütender Hitze - ne- nicht mit mir.
Irgendwann hatte ich Seurre erreicht und kurz darauf mein Chambre d'Hotes in Lanthes, das ich vorsorglich schon per booking.com gebucht hatte.
Es war ein schönes, gepflegtes Haus und Zimmer mit Familienanschluss. Um acht Uhr gab es auf der Terrasse etwas zu essen, außer mir war noch ein belgisches Paar zu Gast, was letztendlich bis kurz vor elf dauerte. Wenn frau von der Konversation nur ein Bruchteil mitbekommt, kann das sehr lang werden.
C'est la vie, der Wein war lecker. Und es war wunderbar still in der Nacht.

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