Sonntag, 10. Juli 2016

Gott ist tot!?

Ich bin an dem Ort, der Ungläubige bezaubert und sogar bekehrt, Jugendliche eine christliche Spiritualität näher bringt und drei Mal täglich Gottesdienste besuchen und ein besonderes Gefühl von Gemeinschaft erleben lässt, Menschen aller Nationen für einen Moment näher und zusammen bringt und viele süchtig macht nach diesem Erlebnis und diesem Ort, Taize.
Mich verwirrt und verunsichert dieser Ort. Die vielen Menschen, ca. 3-4Tausend, die Unruhe, Geschäftigkeit und kollektive Beseeltheit irritieren mich und lassen meine Skepsis, meinen Sarkasmus wachsen. Erstaunt und mit Furcht gestehe ich mir sogar ein, dass mein Glaube verschwunden ist.
Die Gleichnisse aus der Bibel klingen in meinen Ohren flach und sind psychologisch erklärbar. Es erschreckt mich festzustellen, dass Gott immer dann "herhalten" muss, wenn etwas unerklärlich und machtvoll und oder sehr bedrohlich ist. Der eine Verbrecher, der sich in letzter Minute vor seiner Kreuzigung neben Jesus, zu Christus bekehrt, unter der Annahme, dass Jesus ihn mit ins Paradies nimmt bzw. nehmen kann. In den letzten Minuten qualvoller Angst, scheint das wenigstens eine Hoffnung zu sein, die das Sterben erleichtert. Grenzerfahrungen erleichtern Glauben.
Und dann die Wunder, die die Anwesenheit des Göttlichen demonstrieren sollen. Wozu?
Ich erkenne durch meine "Gemeinschaftserfahrung", dass es sich hier in Taize um eine Pseudogemeinschaft handelt. Menschen die diese Gemeinschaft in der einwöchigen religiösen Verzückung hochstilisieren und dann nach Hause fahren und von der Erinnerung zehren und später wieder nach Taize zurück kehren, um sich erneut den Kick zu holen. Zuhause werden sie trauern, dass so ein friedliches, harmonisches Leben nicht möglich ist und die örtliche Kirche diese Magie nicht bietet. Dabei möchten Sie doch jetzt immer schöne traurige oder romantische, eingängige Lieder mit einfachen Texten dafür aber in verschiedenen Sprachen singen.
Gemeinschaft wird gern gewählt, um nicht einsam zu sein. Es wird der Wunsch damit verbunden, von sich abgelenkt zu werden. Zu schmerzhaft ist das auf-sich-geworfen sein. Das Ich soll im Wir verschwinden und dieser vom Ego schon unlogische, durchgeführte Winkelzug führt zur Pseudogemeinschaft oder dem Bezug zu einigen wenigen, die bei Nicht Gefallen beliebig ausgetauscht werden. Das Ego fühlt sich aufgehoben und sicher und verstanden. Ein Weg zu wirklicher Gemeinschaft ist damit eher nicht erreichbar. Im Gegenteil, so vermute ich, ist das Aushalten und Erkennen der inneren Wahrheit Voraussetzung für gelingende Gemeinschaft.
Hier in Taize wird meine Trauer über ein zerplatztes Ideal sehr deutlich. Mein momentaner Zynismus und Sarkasmus macht mir zu schaffen und ich sehne mich nach der Zuversicht des Glaubens. Sowohl an Gott als auch die Menschen.
Ich bin sicher, dass Menschen und insbesondere Gruppen und Gemeinschaften an etwas "Höheres" glauben und einen Sinn erfüllen müssen. Nur "schöner Wohnen"trägt nicht. Irgendwann führen die "Egoismen" zu Streit und/oder Rückzug.
Wie bei Zweierbeziehungen glaube ich auch an die richtige "Paarung", d.h. die Menschenkonstellation, die funktionieren kann. Natürlich ist die Anzahl der Variablen bei Gemeinschaften größer.
In oben Geschriebenem kommen ja doch einige "glauben" drin vor.
Ich hoffe es stimmt, dass Gott da ist, auch wenn ich ihn momentan nicht mitbekomme, ja sogar anzweifle, und dass ich irgendwann wieder sein Licht sehe. Es wäre zu schön wenn es gemäß Pater A. stimmt und Gott uns leidenschaftlich liebt.

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