Donnerstag, 7. Juli 2016

Am Ziel?

Langsam schleppe ich mich bei zunehmender Hitze meinem Endziel entgegen. Der Sinn meiner Reise scheint mir abhanden gekommen zu sein. Jetzt gibt es nichts mehr anzufahren, weiter zu treiben, zu erreichen. Plötzliche Leere breitet sich in mir aus.
Chalon sur Soane hat mir gar nicht gefallen. Es war irgendwie unspektakulär und es liefen komische Gestalten dort rum.
Primitive Gesichter vorwiegend und mein Chambre d'Hotes war genau das Gegenteil.Es war so edel und geschmackvoll eingerichtet und S. Und C. wirklich reizend. Das Badezimmer war so groß wie sonst die Zimmer waren und es gab eine Wanne und einen sehr schönen flauschigen Teppich darin.
Alles war so schön, dass ich immer Sorge hatte, etwas dreckig zu machen und mich auch beim Frühstück gar nicht entspannen konnte.
Ich wollte dann nur noch weg. Die Gastgeber waren so perfekt, das war mir dann doch zuviel und ich war der einzige Gast. Soviel ungeteilte Zuneigung hält kein Mensch dauerhaft aus.
Aber ich habe meinen Kilometerzähler wieder erneuern können. Es war nicht die Batterie sondern er hatte Nässe abbekommen. Also wurde es ein Neuer und warum ich mich dann noch zu einem neuen Helm habe überreden lassen, weiß ich auch nicht so genau. Der Verkäufer war irgendwie überzeugend und ich wollte nett sein.
Bei der heutigen Fahrt nach Cormatin konnte ich mich mit Burgund wieder ein wenig vertragen. Der Fahrradweg verlief auf einer alten Bahntrasse durch eine geschwungene Agrarlandschaft, die durch Wälder, Weinstöcke und Landhäuser aufgelockert wurde. Ohne den Wein hätte ich auch in England sein können.
Das Hotel in Cormatin ist nicht so nach meinem Geschmack. Ich fühlte mich sofort unwohl aber vielleicht lag es auch daran, dass ich nichts mit mir anzufangen wußte. Also legte ich mich zunächst zu einer Siesta nieder.
Danach schwang ich mich auf mein Rad und fuhr nach Taize. Zuerst sah es nicht so aus als ob da was wäre. Keine Hinweise auf den Karten, keine eindeutigen Schilder. Erst im Ort gab es ein Schild "Communaty" und dann sah ich Jugendliche und Erwachsene den Berg hinabsteigen. War ja klar, dass es auf einem Berg lag.
Im Empfang wurde ich herzlich begrüßt und dann wurde auf meine Nachfrage ob ich ab dem nächsten Tag bis Sonntag da bleiben dürfen, gesagt, dass Erwachsene sich für mehrtägige Aufenthalte vorher per Internet registrieren lassen müssten und das das jetzt nur der Pater entscheiden könne,der um halb sechs da sein würde.
Ich habe mir die Kirche angeschaut, die ich jetzt eher als hässlich oder sagen wir funktionell bezeichnen würde.
Das Gelände ist riesig und überall wimmelt es von Menschen zumeist jüngeren Alters.
Die vielen Menschen haben mich überfordert.
Der Pater sprach Deutsch und entschied, dass ich am Freitag kommen könne. Ich werde dann mit 6 Frauen in einer Baracke schlafen. Wie sehr wünschte ich mir nun ein eigenes Zelt.
Aber jetzt werde ich mich der Erfahrung auch noch stellen.
Um 19 Uhr gab es Abendessen und ich war froh anschließend im Hotel noch Käse, Wein und ein Eis verzehren zu können.
Bis Sonntag werde ich kein Internet mehr haben, kann euch meine Erfahrungen also erst später mitteilen.

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