Donnerstag, 30. Juni 2016

Schwarz und weiß

Ich sitze in angenehmer Geschäftigkeit auf einem Platz mit niedlichen Fachwerkhäusern und es erklingt Französisch um mich herum.
Ich bin in Straßburg und hier sind sehr viele junge Menschen und meine Wäsche wäscht hier um die Ecke im Waschsalon. Ich will endlich mal wieder eine frische Fahrradhose. Das Salz macht sie klebrig.
Das Wetter ist klar, sonnig und es weht  eine Brise.
Das ist ein schöner Haltepunkt nach dem anstrengenden, mies beginnenden und famos endenden gestrigen Tag.
Als ich eigentlich nach einer guten Nacht in der Jugendherberge Rabeneck in Pforzheim, die ich am vorherigen Tag nur mit Mühe erreicht habe, es war eigentlich ein Umweg aber es gab keine passable andere Bleibe, von meinem Turmzimmer herab stieg, sah ich das Desaster schon von Weitem.
An meinem Fahrrad lag ein flach aussehender roter Sack. Beim näheren Hinschauen sah ich, dass sie aus meinem Packsack das Zelt und den Ortliebsack mit Daunenschlafsack, Daunenisomatte und mein Kissen aus Schweden mitgenommen haben.
Ja, ich war es selber schuld aber das Rad stand unterm Carport im Innenhof der Jugendherberge und diese stand auf einem hohen Berg. Der Innenhof war mit einem schweren Tor versehen. In den Unterkünften vorher hatte ich damit begonnen meine Vorderpacktaschen, die übrigens unversehrt und voller Inhalt noch am Rad waren, und meinen Sack mit den Zeltsachen am Rad zu lassen.
Ich war fassungslos und fing an zu heulen. Bisher gab es nicht so viele Campingplätze auf Fahrraddistanz aber ich wusste in Frankreich werden sie einfacher zu finden sein als andere Herbergen.
Ich ging zur Herbergsmutter aber die reagierte etwas kaltschnäuzig, schließlich würden sie doch extra sagen,  dass der Carport nicht abgeschlossen sei.
Unter Tränen packte ich meine Sachen und begann meine schleppende Büßerinnenfahrt in Rheinrichtung und begrüßte jede Kreuzigungsszene und stellte fest, dass ich auf hohem Niveau jammerte.
Mein Navi suchte die schönsten und unlogischsten Steigungen heraus damit ich ordentlich fluchen konnte.
Es wurde nicht leichter aber irgendwann sammelten sich die Kilometer.
Der Rhein näherte sich, der Dicke, und es wurde flacher.
Näher an Rastatt kommend, dachte ich über die Unterkunft nach und fragte in einem Vorort beim " Ochsen", dessen Stall aber schon voll war, voller Monteure wahrscheinlich.
Auf der Hauptstraße nach Rastatt überholte mich ein Mountainbiker mit tierischen Waden und einem satten Antritt.
An der nächsten Ampelkreuzung wartete er und auch ich.
Ich fragte ihn, ob er in Rastatt eine schöne Unterkunft kenne. Er legte seinen Kopf etwas schräg und meinte:"eigentlich können sie mit zu uns kommen, das sind noch ca. 13km." Ich sagte etwas zaghaft:"Gern, aber ich weiß nicht ob ich das noch schaffe." "Ok" also los.
W. Ist ein Tier. Er fährt jeden Tag von Baden-Baden nach Karlsruhe zur Arbeit  und zurück! Das sind täglich schlappe 66km.
Ich kam mir schlagartig sowas von memmenhaft vor.
Wir fuhren also und unterhielten uns, wenn es meine Puste erlaubte, war mir echt peinlich, dass W. immer auf mich warten mußte. Jetzt wollte ichs unbedingt behalten , habe es aber doch vergessen, in welchem Vorort W. und M., W.'s geliebte Frau, denn nun von Baden-Baden wohnen.
Ich durfte in L.s, wie mein L., Zimmer schlafen.
Nach Kuchen essen und duschen, fuhren wir nach Baden-Baden, ein Ort, den ich bisher nur aus der Zeitung kannte.
Wir stiegen unheimlich viele Stufen, was in meinen Oberschenkel zog, und kamen auf dem Burgplatz, obwohl wenn ich jetzt drüber nachdenke, war die Burg doch woanders?, aus und fanden  kurze Zeit später die "Canzley", wo wir essen wollten. Das "C" und "Y" lässt schon eine gewisse Vornehmheit erahnen, die aber sehr ungezwungen daher kam und eigentlich nur an der Aufmerksamkeit der Bedienung und Qualität des Essens festzustellen war.
Wir führten interessante Gespräche über Berufe und die Belastungen dadurch und die Wünsche, deren Verwirklichung  noch vor uns liegen.
Darüber hinaus teilten wir unsere Vorliebe fürs "Commonwealth", was mit einer Unzahl schrullig-schöner Erlebnisse unterstrichen wurde.
Später wurden mir im Haus noch alle Frühstückszutaten gezeigt,da ich am Morgen allein zurechtfinden musste.
W. radelt um kurz nach sechs von dannen uns M. gegen sieben. Sie muss nur nach Rastatt, ca. 10 km.
So verließ ich das Haus gegen 10 Uhr morgens und ließ mich von meinem GPS verwirren bis ich mich irgendwann einigermaßen zurecht fand.
Da am Rhein wg. des Hochwassers einige Polder geöffnet waren, fuhr ich viele Umwege bis ich schließlich Kehl erreichte und die BSW am Wegesrand bewunderte. BSW sind die "badischen Stahlwerke". Ich suchte die Direktreduktion, die sie meines Erachtens anstatt des Hochofen benutzen, konnte sie aber nicht entdecken, sah aber viele Rollen Draht.
Über eine futuristisch anmutende Fußgängerbrücke wechselte ich die Landesgrenzen. Straßburg erwartete mich.

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