Freitag, 24. Juni 2016

Main-Neckar Hitzeflash

Ich dachte, ich schlief am Frankfurter Kreuz. LKWs rollten über mich drüber, Hupen ertönten, Motorräder heulten auf und zwischendurch fuhr ein Zug durch mein Zelt.  4:57Uhr war der Schlaf vorbei. Ich blieb noch etwas liegen, einfach um mir die Zeit zu vertreiben. Ich war in Lohr am Main. Es drohte ein heißer Tag zu werden und daher wollte ich früh das Zelt zusammen packen. Sonst ist Frau schon vom Packen total durchgeschwitzt. Ein Blick aus dem Zelt machte mir schnell klar, dass ich das Zelt nicht trocken eingepackt bekäme. Es war total neblig. Irgendwann ging ich ans Werk und als ich fertig war, rief ich H. an, der in Lohr arbeitet und wir wollten wenigstens einen Kaffee zusammen trinken, wenn ich schon mal da bin.
Ich radelte also zu seiner Firma und die Frauen schauten neugierig, ob sich eine Touristin verirrt hatte.
Es war schön mit H. zu plaudern.Er war in diesem Jahr sechzig geworden und unsere gemeinsame Unizeit lag lange zurück und die Gesprächsthemen drehten sich nun um die bevorstehende Rente oder evtl. Träume, die es noch zu verwirklichen gilt.
Und dann ging es hinaus in die Hitze. Irgendwann merkte ich, dass ich langsam etwas frühstücken müßte. Ich kaufte bei Aldi Brot, Käse, Joghurt und Bananen und suchte mir ein schattiges Plätzchen.
Irgendwann sah ich auf der Promenade hölzerne Liegen, die anscheinend, was ich aus den herum liegenden Kronkorken und Zigarettenstummeln schloss, abends von Jugendlichen in Beschlag genommen wurden, schön im Schatten stehen.
Ich holte mein Zelt aus der Hülle und legte es zum Trocknen in die Sonne und begann mein Essen aufzubauen. Plötzlich bemerkte ich wie ein städtischer Aufsitzrasenmäher  seine Bahnen in meinem Terrain zog und da war dann auch noch ein Bus mit Mitarbeitern des städtischen Bauhofs, die alsbald aus dem Auto sprangen und sich an den Bänken zu schaffen machten. Sie frugen ob sie mein Rad wegstellen durften und dann fingerten sie an den Schraubenfundamenten, an die die Bänke festgeschlossen waren, herum. Neugierig kam noch der Rasenmäherfahrer hinzu. Ich lachte und sagte: "Jetzt wollte ich gerade mal so richtig gemütlich frühstücken und da macht ihr mir die ganze Atmosphäre kaputt." Wir einigten uns über das weitere Vorgehen und ich begann meine Vorräte wegzuputzen als ich eine quäkige Stimme rufen hörte:"ah mei, dass ist ja ein herrliches Plätzchen. Da ist doch bestimmt noch eine Bank frei?" Ich schaute Frau Puttchen und Herrn Brammel irritiert an. Ich fragte, welche meinen sie denn? Sie könnten ja unmöglich die Einerliege meinen, sie wollten bestimmt die Doppelliege. Ist ja klar, dass sie unbedingt auf 300km Mainstrandlänge meinen Platz haben wollten. Sie ließen mich seelenruhig alles von der Bank räumen. Puttchen meinte noch auf meinen Einwurf, ich wäre gerade dabei, meine Sachen zu trocknen:" na da sollten Sie es ja lieber in die Sonne legen" und die Mörderin im Geiste war geboren.
Bräsig fläzte sich das Traumpaar auf die Bank, packte Kirschen aus und spuckte die Kerne auf die Wiese, dabei sahen sie sich Prospekte mit Fahrrädern (wahrscheinlich E-Bikes) an.
Ich packte derweil zusammen und da kam Gras cutting Django von seiner Pause zurück. Ich jubilierte innerlich und hatte für den Bruchteil einer Sekunde vor, ihm Fünf Euros zu bezahlen, wenn er immer schön um die Liege herum mähte.
Die Hitze schlug voll zu und ich gab es auf, Radfahrer und Fahrerinnen zu grüßen. Sie schauten mich teilweise gar nicht an. Die Großflüssenradwege sind irgendwie abtörnend. Sie sind laut, da sich immer Straßen und Bahnwege an ihnen entlang ziehen und der Verkehr ist beachtlich. Zudem fahren dort Unmengen von Rentnerinnen und Rentner Fahrrad.
Außerdem liegen sie zum größten Teil in der prallen Sonne. In Wertheim schleppte ich mich zum Radler trinken und kurze Zeit später legte ich mich im Schatten ins Gras, um etwas die mörderische Mittagshitze ruhend abzuwarten.
Nach 84 km in Miltenberg angekommen, nahm ich das erste Hotel auf meinem Weg in die Altstadt. Es heißt "Anker" und das war er für mich auch. Ich kam mir vor wie einmal entsaftet.
Irgendwann schaffte ich etwas zu essen und ging dann noch durch die wirklich sehenswerte Altstadt. Ich hatte sie einmal mit meiner Familie in meiner Jugend besucht, bemerkte ich als ich das Hotel "Riesen" sah, angeblich das älteste Hotel Deutschlands.
Heute fuhr ich den Main-Neckar Radweg. Er führt durch den Odenwald über Amorbach, Murtau, wohin ich ca. 1h bergauf geschoben habe, und landet über eine tolle Bahntrasse, die "Wanderbahn" in Mosbach.
Diesmal hatte ich mich gegen die Hitze besser präpariert. Gründlicher den Sonnenschutz aufgetragen, mein Buff immer wieder befeuchtet und auf den Kopf gezogen und meine Wasserreserven frühzeitig erneuert.
Die Natur tat ihr übriges. Der Weg führte durch wunderschöne Laub- und Nadelwälder. Bäche liefen parallel zum Weg und ließen ihre Kühle verströmen. Es roch nach Tannen, Heu und Getreide und dir Landschaft ist herrlich geschwungen. Ideal auch zum Moppedfahren.
Und dazwischen immer wieder kleine Ortschaften mit Burgruinen, barocken Kirchen und schönen Brunnen mit kaltem Wasser. Teilweise gab es solche Brunnen auch im Wald mit einigen Bänken drumherum-ideale Orte um auszuruhen.
Nach meinem langen Anstieg machte ich in Murtau Rast. Zunächst ging ich in die Kirche und blieb eine Weile dort. Dann ins Gasthaus, in dem eine 91jährige Tischgenossin mir 10 mal erklärte wie lecker das Tagesgericht sei und dass sie gern noch ein Bier trinken tät, zwei schon getrunken hätte und nun bei der Hitze etwas dusselig sei und um eins käme das Taxi. Schließlich wollte sie, dass ich mit zu ihr käme und ihre Haushälterin würde. Die letzte Polin wäre so frech gewesen und ich täte ihr gefallen.
Das Tagesgericht war wirklich lecker.
Als ich mich dann wieder auf den Weg machte, jubelte mein Herz. Die Wanderbahntrasse war einfach herrlich. Sie ging bis Mosbach nur bergab. Juchhu!

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